ÖAZ Aktuell (Ausgabe 6/2003)

Serien 6/2003

SERIEN

Tara-News: Cialis®

Neue Wirkstoffe
Erste Hilfe in der Apotheke
Anthroposophie in der Apotheke
Leserbriefe

Industrie

Me-too-Präparat – oder Innovation?
Cialis® bei erektiler Dysfunktion

Sildenafil« wurde in kurzer Zeit mit großem Abstand zum bekanntesten Arzneimittel der Welt, wobei die Indikationsstellung und die einfache Anwendung daran maßgeblichen Anteil hatten. Unter der Marke Viagra® stand erstmals ein rational geprüftes Mittel zur Verfügung, das in der Anwendung und Wirksamkeit sämtlichen anderen bisher verwendeten Methoden haushoch überlegen war. Ob die Einführung weiterer Vertreter aus der Gruppe der selektiven Phosphodiesterasehemmer mit Verbesserungen in der Therapie verbunden sein wird, ist die Frage. Bedarf wäre jedenfalls vorhanden, denn die Prävalenz der erektilen Dysfunktion (ED) beträgt bei Männern zwischen 40 und 70 Jahren immerhin 52%! Ein vermehrtes Auftreten bestimmter chronischer Gefäßerkrankungen in dieser Altersgruppe steht damit in ursächlichem Zusammenhang:
Diabetes mellitus,
Herzerkrankungen,
Hochdruck,
periphere arterielle Verschlusskrankheit.
Weitere Auslöser sind hormoneller, neurologischer und medikamentöser Natur (z.B. Antidepressiva, Thiazide, Anabolika, Betablocker, etc.).

Sildenafil
Tadalafil


Potenz und Kontrazeption
Es schien interessant, die Ausgaben für hormonelle Kontrazeptiva und potenzsteigernde Mitteln gegenüberzustellen. Ein solcher Vergleich geht eindeutig zugunsten der Frauen aus, die derzeit dreimal so viel Geld für die »Pille« ausgeben, wie die Männer zur Bekämpfung von Erektionsschwäche, wobei Letztere aber aufholen (Tab. 1).

Gruppe Umsatz/Jahr
Fabriksabgabepreis
Steigerungsrate
zum Vorjahr
Mittel gegen erektile Dyfunktion 7.369 Mio. Euro + 21%

Systemische hormonelle Kontrazeptiva

20.025 Mio. Euro + 6%
Tab. 1


Die heutigen medikamentösen Möglichkeiten
Differenziert man die medikamentösen Möglichkeiten nach ihrem Angriffsort (siehe Ixense®, Uprima® in Tara-News 15, 700; Jhg. 2001), so kann dieser zentral im Erektionszentrum oder peripher am Penis liegen. Das neu eingeführte »Tadalafil« (Cialis®) erweitert demnach die Gruppe der konditionierenden Medikamente, welche die erektilen Mechanismen verstärken (Tab. 2).

Wirkort Initiator Konditionierer
ZNS

»Apomorphin«,
»Melatonan II«

.
peripher am Penis »Prostaglandin E 1«,
»Phentolamin«

»Phentolamin«,
»Sildenafil«, »Tadalafil«

Tab. 2




Kurzprofil von Cialis®

Mit »Tadalafil« wird die Gruppe der selektiven Phosphodiesterase-Hemmer um einen zweiten Vertreter erweitert, der sich vor allem durch seine besonders lange Halbwertszeit vom Viagra® unterscheidet.
Daraus resultiert nach der Einnahme ein »Wirksamkeits-Fenster« von bis zu 12 Stunden.
Im üblichen Dosisbereich von Cialis® wird wie bei Viagra® in 2/3 bis 3/4 der Fälle Geschlechtsverkehr ermöglicht.
Nahrung beeinflusst die Resorption von »Tadalafil« nicht und sichert damit die Wirkung zum erwarteten Zeitpunkt.
Eine Behandlung mit Nitraten ist kontraindiziert; der Blutdruckabfall in Kombination mit Antihypertensiva fällt gering aus, kann aber bei einzelnen Patienten klinisch relevant werden.
Wie bei »Sildenafil« zählen Kopfschmerzen zu den unerwünschten Begleiterscheinungen, unter denen man aber bei Cialis® bis zu 8 Stunden lang leiden kann. Ob sie auf übliche Analgetika ansprechen, klärt Eli Lilly auf Anfrage derzeit ab.

»Tadalafil«
(Cialis® – Filmtabletten 10, 20 mg)

Die beiden im Handel befindlichen Packungen zu 10 mg und 20 mg beinhalten jeweils 4 Tabletten und kosten mit 56,15 Euro (AVP) gleich viel. Sie entsprechen preislich den Viagra®-Filmtabletten 50 mg zu 4 Stück.

Chemie und Wirkweise
»Tadalafil« besitzt zwei Asymmetriezentren. Von den 4 möglichen Stereoisomeren liegt in Cialis® die R,R-Form vor.
So wie »Sildenafil« hemmt auch »Tadalafil« speziell die Phosphodiesterase vom Typ 5 im Bereich der Schwellkörper, die unmittelbar am erektilen Vorgang im Penis beteiligt ist und für den notwendigen verstärkten venösen Bluteinstrom sorgt. Die Spezifität der Hemmwirkung auf die 10 anderen bekannten Phosphodiesterasen unterscheidet sich zwischen beiden Vertretern, ohne allerdings klinisch besonders ins Gewicht zu fallen (Tab. 3).

Selektivitätsvergleich
von Phosphodiesterasen
»Sildenafil«
Viagra®
»Tadalafil«
Cialis®
Bemerkung
PDE5 : PDE3 10 : 1 700 : 1 PDE3 steigert u.a. die kardiale Kontraktilität
PDE5 : PDE6 4 000 : 1 10 000 : 1 PDE6 ist am Sehvorgang beteiligt
Tab. 3: Vergleich der Hemmwirkung auf verschiedene Phosphodiesterasen (PDE)


Pharmakokinetik und Dosierung
Die in Tab. 4 angeführten vergleichenden Kenndaten für die derzeit angebotenen oralen Medikamente belegen die wesentlichsten praktischen Unterschiede. Demnach kann Cialis® nahrungsunabhängig eingenommen werden, weil die Kinetik dadurch nicht beeinflusst wird, und es besitzt ein wesentlich längeres Zeitfenster für sexuelle Aktivitäten als die anderen Präparate.

Wirkstoff »Tadalafil«
Cialis®
»Sildenafil«
Viagra®
»Apomorphin«
Ixense®, Uprima®
Tmax 120 Min 60 Min 40–60 Min
Bioverfügbarkeit nicht bestimmt 41% 16–18%
(sublingual)
Halbwertszeit 17,5 Std. 3–5 Std. 2 Std.
Zeitfenster 30 Min.–12 Std. 25 Min.–4 Std. 4–5 Std.
Nahrungseinfluss kein Einfluss

ja, verlangsamt Wirkeintritt

keine praktische Relevanz

Tab. 4: Kinetik-Vergleich der gängigsten Medikamente gegen ED

Dosierung: Die Standarddosierung beträgt 10 mg. Eine Tablette ist etwa 30 Min. bis 12 Stunden vor dem beabsichtigten sexuellen Kontakt einzunehmen. Tagesmaximaldosis: eine Tablette. Falls die Wirkung zu wünschen übrig lässt, kann auf 1 x 20 mg täglich erhöht werden. Nicht zur Dauerverwendung bestimmt.
Wirksamkeit: Ein direkter Wirksamkeitsvergleich zwischen den beiden Phosphodiesterasehemmern liegt bisher nicht vor. Man kann aber davon ausgehen, dass beide Präparate im unteren bis mittleren Dosisbereich bei 60 bis 75% der Anwendungen einen Geschlechtsverkehr ermöglichen. Die höheren Erfolgsraten für Cialis® in Studien dürften auf den Ausschluss jener Patienten zurückzuführen sein, die zuvor auf »Sildenafil« nicht ansprachen, oder die von Haus aus eine schlechtere Prognose hatten, wie z.B. Querschnittgelähmte.

Sicherheit
Die von Viagra® bekannten Nebenwirkungen wie Kopfschmerz, Dyspepsien und Rückenschmerzen treten auch bei Cialis® in ähnlicher Frequenz auf. Am ehesten muss man mit anfänglichem Kopfschmerz (12 bis 14%) rechnen, welcher bei Cialis® auf Grund der langen Halbwertszeit zwischen 3 und 8 Stunden anhalten kann. Ob er auf Kopfschmerzmittel anspricht, versucht derzeit Eli Lilly auf Anfrage zu klären. Die von Viagra® bekannten Kontraindikationen, insbesondere bei einer gleichzeitigen Nitrattherapie, gelten auch für Cialis®.

Verwendete Grundlagen:
Austria-Codex Fachinformation Cialis® und Viagra®
Europäischer Beurteilungsbericht (EPAR) zu Cialis® bzw. Viagra®
»Erektile Dysfunktion: individuelle Therapie jetzt möglich« Deutsche Apotheker Zeitung Nr. 51/52 Seite 42 (2002)

Vorgestellte Präparate 2003:

Elidel® ÖAZ 3, S. 101
Omacor® ÖAZ
Trisenox® ÖAZ 5, S. 213

Vfend®

ÖAZ

5

Xigris® ÖAZ 4, S. 149

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