Die österreichische Apotheke in Zahlen
»Leistung überzeugt!«
Neu. Arzneimittelkosten, die Diskussionen rund um unser Gesundheitssystem, Leistungen und Kosten der österreichischen Apotheke – viele reden mit, doch oft »geistern« falsche und irreführende Zahlen und Fakten herum.
Fundierte Informationen sind hier gefragt; und die liefert – sehr anschaulich zusammengestellt – die Wirtschaftsabteilung der Österreichischen Apothekerkammer.
Der Europäische Gerichtshof hat jüngst erkannt, dass nationale Verbote des Versandhandels mit rezeptpflichtigen Arzneimitteln gerechtfertigt seien und im Einklang mit EU-Recht stünden.
Die Gesundheitsministerin hat mehrfach klargestellt, dass sie zu einem Arzneimittelvertrieb über öffentliche Apotheken steht. Auch die Arbeiterkammer warnte bereits mehrfach vor den enormen Risken und den hohen Kosten durch den Versandhandel.
Der Arzneimittelvertrieb über öffentliche Apotheken ist durch die zahlreichen Zusatzleistungen weltweit anerkannt. Dass die österreichischen Apotheken ihrer Verantwortung gerecht werden, beweist ein Vergleich der Apothekenleistung in verschiedenen europäischen Ländern. Die Kosten für die Apotheken-Leistungen liegen deutlich niedriger als der europäische Durchschnitt.
Dies und vieles mehr verdeutlicht das von Mag. Traxler und seinem Team nun wieder neu herausgegebene Heft der Österreichischen Apothekerkammer »Die österreichische Apotheke in Zahlen«, in dem mit vielen Grafiken und Tabellen die Eckdaten unseres Gesundheits- und Apothekensystems übersichtlich veranschaulicht werden:
Arzneimittelsicherheit durch apothekerliche Leistung
Nach einer Studie von Michael W. Johnson*) macht etwa ein Drittel der Patienten bei der Einnahme der ihnen verordneten Medikamente schwere Fehler, die nur durch eine adäquate Patienteninformation durch den Apotheker vermieden werden können.
Falsch eingesetzte Medikamente verursachen in den USA Milliarden an Kosten: „84 billions US $ are spent for drug-related morbidity and mortality in the USA“ (Zitat: Prof. L. M. Strand, University of Minnesota während der FIP-Tagung in Vancouver 1997). Auf Österreich umgelegt wären das 1,98 Mrd. EUR.

Gesundheitskosten
Die gesamten Gesundheitskosten in Österreich (lt. OECD) haben einen Anteil am BIP (Bruttoinlandsprodukt) von rd. 7,7% und betrugen im Jahr 2002 16.806 Mio. ¤. Ein internationaler Vergleich zeigt, dass die Österreicher sehr kostenbewusst mit ihrer Gesundheit umgehen. Die Deutschen geben z.B. 10,7% des BIP für Gesundheit aus, die Amerikaner sogar 13,9%.
Die Kosten der Apothekenleistung (Arbeitskosten, Betriebskosten,...) – für Arzneimittel über öffentliche Apotheken – betrugen 3,7% der gesamten Gesundheitsausgaben.

Apotheken als Nahversorger
In Österreich bestehen derzeit (Stand 31.12.2003) 1.162 öffentliche Apotheken, die alle privatwirtschaftlich als unabhängiger Betrieb von einem Apotheker geführt werden, 20 Filialapotheken (jede öffentliche Apotheke darf maximal 1 Filialapotheke betreiben, die in einem Umkreis von 4 km liegen muss), 50 Krankenhausapotheken und 989 ärztliche Hausapotheken (31.12.2003). Mehr als die Hälfte der öffentlichen Apotheken befindet sich auf dem Land und in kleinen Städten, womit die Apotheken eine wichtige Rolle als Nahversorger erfüllen.
Eine regionale Aufgliederung (2003) der öffentlichen Apotheken zeigt die flächendeckende Versorgung: 362 öffentliche Apotheken in Gemeinden mit bis zu 6.000 Einwohnern, 233 in Gemeinden mit mehr als 6.000 und weniger als 20.000 Einwohnern und in Gemeinden mit über 20.000 Einwohnern gibt es 567 Apotheken (davon in Wien 294). In kleineren Orten, die bisher ohne öffentliche Apotheke auskommen mussten, gab es in den letzten 10 Jahren mit 66 Neueröffnungen den größten Zuwachs, in Orten mit bereits bestehenden Apotheken (ausgenommen Landeshauptstädte) gab es eine Steigerung von 51 neuen Apotheken und in den Landeshauptstädten wurden in den letzten 10 Jahren 56 öffentliche Apotheken neu eröffnet.

Apothekenneueröffnungen 1994–2003
Insgesamt gab es 173 Neueröffnungen in den letzten 10 Jahren.
Das Schwergewicht der Eröffnung von Apotheken in Orten, die bisher keine öffentliche Apotheke hatten, unterstreicht die Bedeutung der Apotheke als Nahversorger. Diese Entwicklung, die insbesondere im ländlichen Raum eine kontinuierliche Verbesserung der Arzneimittelversorgung bedeutet, kann nur fortgesetzt werden, wenn in Zukunft nicht subsidiäre Ersatzlösungen (ärztliche Hausapotheken) vor die fachliche Versorgung mit apothekerlicher Leistung gestellt werden.
Reale Umsatzentwicklung in öffentlichen Apotheken
Eine Aufteilung der Apotheken nach umsatzabhängigen Größenklassen zeigt folgendes Bild:

Über 12.000 Arbeitsplätze in Österreichs Apotheken
In Österreich waren im Jahr 2002 insgesamt 12.259 Personen in öffentlichen Apotheken beschäftigt. 4.467 davon waren Apotheker. Bei den Apothekern liegt der Frauenanteil bei 76%. Der hohe Anteil an weiblichen Beschäftigten ist einerseits auf die österreichweit gute Verteilung der Apotheken zurückzuführen (stärkere Bindung an die Familie), andererseits auf die Möglichkeit der Teilzeitarbeit. Diese ist in Apotheken seit Jahrzehnten möglich, hat zum hohen Frauenanteil geführt und hat sich bestens bewährt. Die 12.259 Arbeitsplätze in den Apotheken gliedern sich weiters in 1.223 selbstständige (davon 48% Frauen) sowie 3.244 angestellte Apotheker (davon 85% Frauen) auf. Die restlichen 7.792 Personen (über 90% Frauen) bestehen zu 56% aus Personen mit spezifischer Berufsausbildung (pharmazeutisch-kaufmännische Assistenten oder geprüfte Apothekenhelfer), sowie zu 44% aus Angestellten ohne oder mit anderer Berufsausbildung und sonstigem Hilfspersonal (Reinigungsdienst etc.). Bei den Pharmazeuten ergab sich gegenüber dem Vorjahr eine Steigerung um 2,5%, bei den PKA (Pharmazeutisch-kaufmännischen Assistenten) bzw. geprüften Apothekenhelfern um 2,7% und bei den sonstigen Beschäftigten um 3,7%.
Arzneispezialitätenstatistik:

*) Spezialitäten mit unterschiedlichen Packungsgrößen
werden als 1 Präparat gezählt.
"Apothekeneigene Spezialitäten" (Hausspezialitäten)
sind im SIS nicht enthalten.
**) Erleichterte Zulassung
Die Daten wurden dem Spezialitäten-Informations-System (SIS) des Österreichischen Apotheker-Verlages entnommen.
Arzneimittelverbrauch in Österreich niedrig
Im internationalen Vergleich liegt Österreich sowohl betragsmäßig als auch im Vergleich nach Packungen deutlich unter dem europäischen Durchschnitt. Das beweist eine im Jahr 2003 veröffentlichte umfassende Studie des Industriewissenschaftlichen Institutes an der Wirtschaftsuniversität Wien unter der Leitung von Univ.-Prof. Dr. W. Clement, die den durchschnittlichen Arzneimittelverbrauch einerseits auf Basis der Fabriksabgabepreise und andererseits auf Basis der pro Person abgegebenen Packungen in 12 europäischen Staaten untersuchte.
International unübersehbar ist, dass Länder ohne (oder mit nur eingeschränkten) bedarfsgerechten Verteilungskriterien für Apotheken einen zum Teil deutlich höheren Arzneimittelverbrauch je Einwohner zu verzeichnen haben und besonders niedrige Arzneimittelpreise häufig durch auffällig hohe Verbrauchsquoten überkompensiert werden (z.B. Frankreich). Arzneimittelpreise: Österreich ein Billigpreisland
Wissenschaftlich erstellte, seriöse (ausreichendes Produktsample) Studien belegen, dass Österreich im Arzneimittelbereich zu den »Billigpreisländern« zu zählen ist. Das gilt sowohl für die Kosten der Apothekenleistung, als auch für die Preise der Industrie.
Die letzten umfangreichen Studien sind die des Industriewissenschaftlichen Institutes an der Wirtschaftsuniversität Wien (IWI 1995, IWI 2000 und IWI 2003) unter Leitung von Prof. Clement.
Arzneimittelpreise 1995,1997 und 2000 amtlich gesenkt
Für das Jahr 2003 veränderten sich die Arzneimittelpreise um minus 1,5% gegenüber dem Vorjahr. Der deutliche Rückgang im Jahr 1997 ist insbesondere auf die amtliche Reduktion der Arzneimittelpreise zum 1.1.1997 zurückzuführen. Aber auch in den Jahren zuvor haben sich die Arzneimittelpreise nie in dem Ausmaß wie die allgemeinen Verbraucherpreise (VPI) verändert.
Der hier angeführte Preisindex für Heilmittel wird von Statistik Austria veröffentlicht.
Die wachsende Bevölkerung, ein steigender Pro-Kopf-Verbrauch und der Einsatz von höherentwickelten, wirksameren, besser verträglichen und deshalb oft teureren Präparaten beeinflussen die Leistungserwartung und die Umsatzentwicklung im Arzneimittelbereich positiv. Der steigende Pro-Kopf-Verbrauch ist in erster Linie auf die jährlich steigende Lebenserwartung (2002: Frauen: 81,7 Jahre; Männer: 75,8 Jahre) zurückzuführen.

Reale Umsatzentwicklung in öffentlichen Apotheken
Der Offizinumsatz der öffentlichen Medianapotheke*) betrug im Jahr 2002 1,714 Mio. ¤. Das bedeutet ein reales Umsatzplus von 3,4% gegenüber dem Vorjahr. Der durchschnittliche Privatumsatz ist mit 3,5% stärker gestiegen als der Krankenkassenumsatz (+3,4%); das Verhältnis zwischen Krankenkassenumsatz und Privatumsatz betrug im Durchschnitt 72:28.
Aufgliederung der Umsatz- und Aufwandsdaten
Die durchschnittliche Handelsspanne beträgt im Jahr 2001 nur noch 29,1% vom Umsatz und sinkt jährlich systembedingt (degressive Staffelung der Handelsspanne) um einige Zehntel-Prozentpunkte ab. 
Großhandelsspanne ab 1.1.2004 gesenkt
Mit 1.1.2004 wurden die Großhandelsspannen neuerlich reduziert. Es gibt jetzt zwei unterschiedliche Aufschlagstabellen: eine für Arzneispezialitäten, die im Heilmittelverzeichnis bzw. im Gelben oder Grünen Bereich des Erstattungskodex angeführt sind, und eine zweite für alle anderen Arzneispezialitäten. Sämtliche Kürzungen werden an die Apotheken weitergegeben (Einkaufskonditionen). Zusätzlich zu den Einbußen, die die Apothekerschaft aus den Vorstufen (Industrie und Großhandel) indirekt zu tragen hat, wurden auch die Apothekenspannen nach April 1995 und Februar 1997, nach dem Solidaritätsmodell ab dem Jahr 2000, neuerlich mit 1. Jänner 2004 reduziert.
In-vitro-Fertilisation (IVF)
Ab 1. März 2004 wurden neue Rezeptformulare vom IVF-Fonds aufgelegt (siehe S. 463 oben). Diese neuen Rezeptformulare, die die bisherigen grünen IVF-Rezepte ablösen, können spätestens ab 1. Juli 2004 auch voll elektronisch erfasst und abgerechnet werden. Forderungen der Apotheker
Die umfangreichen Preisreduktionen der Pharmaindustrie, die verordneten Spannenkürzungen beim pharmazeutischen Großhandel und bei den öffentlichen Apotheken wirken sich auf das Betriebsergebnis erwartungsgemäß negativ aus. In den Verhandlungen rund um das Sparpaket wurde von einem 3 bis 4-%igen Umsatzwachstum ausgegangen, das die enormen Verluste der Apotheken teilweise kompensieren sollte. Tatsache ist jedoch, dass zusätzlich zu den verordneten Kürzungen in den ersten beiden Monaten des Jahres 2004 auch Umsatzrückgänge zu beobachten sind.
So zeigt die Umsatzentwicklung der österreichischen öffentlichen Apotheken in den Monaten Jänner und Februar 2004 im Durchschnitt aller Apotheken ein Minus von 1,2%.
Diese Situation und auch das aktuelle »Stocken« der Gesundheitsreform führte u.a. zu folgenden Forderungen:
Eine »echte Gesundheitsreform«!
Die Pharmazeuten wollen bei der Gesundheitsreform nicht allein als Zahler übrig bleiben. In einem Gespräch mit der APA forderte der Präsident der Österreichischen Apothekerkammer, Dr. Herbert Cabana, eine »echte Gesundheitsreform« samt gleichmäßiger Lastenverteilung auf die Marktteilnehmer.
Der Standesvertreter: „Uns hat die seit Anfang des Jahres geltende Spannenreduktion enorme finanzielle Einbußen gebracht. Es sind in diesem Jahr rund 50 Mio. Euro. Wir sind derzeit schon so weit, dass wir standesintern 20 Prozent der Apotheken unterstützen müssen. Würde man alle anderen Partner im Gesundheitswesen auf die selbe Weise belasten, hätte man in diesem Jahr 1,4 Mrd. Euro mehr Geld.“
Vor allem sei Transparenz bei den Leistungen und den Geldflüssen notwendig, meinte Dr. Cabana: "Für gleiche Beiträge sollte auch jeder Versicherte gleiche Leistungen bekommen. Wir fordern daher eine echte Gesundheitsreform, die den Patienten in den Mittelpunkt stellt und sozial ist. Die Reform darf nicht dort stecken bleiben, dass die österreichischen Apotheken 50 Mio. Euro zahlen und weiter nichts passiert." (siehe dazu auch ÖAZ Nr. 8)



 Anteil der Kassenausgaben für Apothekenleistung:

Den größten Anteil der Krankenversicherungsausgaben weisen die Ausgaben für Ärzte mit 30,9% auf, gefolgt von den Ausgaben für Anstaltspflege mit 27,9% (siehe »Ausgaben der Krankenversicherung).

Forderung: Von 20 auf 10% Mehrwertsteuer!
Ergänzt wurde in der Broschüre der Vergleich der unterschiedlichen Mehrwertsteuersätze auf Arzneimittel, indem die ab 1. Mai neu hinzukommenden EU-Länder ebenfalls aufgenommen wurden. Österreich bleibt mit 20% Mehrwertsteuer auf Arzneimittel das Land mit dem zweithöchsten Steuersatz. Es ist nach wie vor nicht einzusehen, warum in Österreich der begünstigte Mehrwertsteuersatz von 10% auf »Luxusgüter« wie Kaviar und Austern angewendet wird, nicht aber auf Medikamente. Die Österreichischen Apotheker fordern deshalb schon lange eine Reduktion des Mehrwertsteuersatzes für Medikamente auf 10%, was einerseits die österreichischen Konsumenten in diesem wichtigen Bereich deutlich entlastete, aber auch für die in chronischen Finanznöten befindliche Sozialversicherung eine spürbare Entlastung wäre. 
Neben den aktualisierten, bereits bekannten Inhalten finden sich in der Broschüre auch neue Highlights, wie z.B. die hohe durchschnittliche Beratungszeit pro Kunden in den öffentlichen Apotheken, die in fast zwei Drittel aller Gespräche zwischen vier und zehn Minuten dauert. 
Den guten Ruf eines technisch fortschrittlichen und vorausblickenden Berufsstandes haben die Apothekerinnen und Apotheker einmal mehr im Rahmen der elektronischen Rezeptabrechnung unter Beweis gestellt. In über 90 % aller österreichischen Apotheken erfolgt die Rezeptabrechnung mit den jeweiligen Krankenversicherungsträgern bereits auf voll elektronischem Wege.
Die Abgeltung für die händische Erfassung der Patientennummer, die im Jahr 2003 den Krankenkassen immerhin 800.000 Euro gekostet hat, wird aus derzeitiger Sicht noch einige Zeit weiterlaufen, da die erforderliche Quote an maschinenlesbaren Versicherungsnummern von derzeit 80 % bei weitem noch nicht erreicht ist. 
Elektronische Rezeptabrechnung
Apothekenspanne pro Einwohner unter dem europäischen Durchschnitt 


M.T. |